Sonntag, 27. November 2011

Typisch

von T.N.T.



Du sitzt in dieser Ecke, neben dir der Kerl mit der Cola und um dich herum die dröhnende Musik, die zum tanzen einladen soll. Die Unterhaltung mit ihm ist anfangs okay, wird aber zunehmend ein wenig depressiv für einen Abend, bei dem man sich eigentlich öffentlich mit Alkohol zur Schlachtbank führen lassen möchte, um sich am nächsten Tag an nichts mehr zu erinnern – was auch besser ist, da man sich unsäglich blamiert hat. Nix da. Geendet hat man bei dem Colajungen, am Tisch mit lauter Leuten, die alkoholisiert in die Musik einstimmen und dabei keinen einzigen Ton treffen. Die einzige Gemeinsamkeit, die Mr. Cola mit dir hat, sind die Schlüssel, die uns für diesen Abend zu 0 Promille verurteilt haben. Somit wirst du zu Miss Cola degradiert. Realistisch betrachtet ist somit der Abend schon im Ansatz zum scheitern verurteilt. Man verspricht der Freundin auf sie acht zu geben, wenn sie ein wenig zu tief ins Glas schauen sollte und akzeptiert auch die Tatsache, dass die Hemmschwelle, die irgendwann auf Nimmerwiedersehen den Bach runter gegangen wäre, dir die ganze Zeit vor Augen führt, wie nüchtern und gelangweilt du bist. An diesem unvermeidlichen Desaster ist jedoch nicht das mangelnde Ethanol schuld. Es liegt viel mehr daran, dass die beste Freundin ihre Drohung tatsächlich wahr macht und sich in den ersten Stunden des Abends so abschießen muss, dass sie schwankend von einem Fremden zum nächsten torkelt und irgendwann fast bewusstlos auf einem Stuhl zusammen bricht. Man tut was man kann und rät ihr von dem nächsten Gin Tonic ab, doch sie ist erwachsen und du kein Babysitter. Zusätzlich lässt dich ihr Egoismus fast zum überkochen bringen, denn als sie auf die Tanzfläche geht, lässt sie die Handtasche in dem Bewusstsein neben dir zurück, dass du darauf aufpassen wirst. Ganz selbstverständlich, wieso sollte Miss Cola auch tanzen gehen wollen? Zurückgelassen wird man also mit dem alkohollosen Freund, der über seine Exfreundin zu jammern beginnt und irgendeinem lallenden Etwas, das man davon abhalten muss, dich anzugrabschnen. Kann dieser Abend noch schlimmer werden? Ja, das geht. Natürlich hat deine soziopathische Freundin - mal wieder - den einzigen, gut aussehenden Tänzer abbekommen, der zufälligerweise nicht wusste, wie er nach Hause kommen soll und dem aufopfernd von ihr versprochen wird, dass dieses ‚kleine Problem’ schon geregelt wird. Manch einer würde jetzt einen blinden Wutanfall kriegen und eine Szene machen, doch ich nehme es zähneknirschend hin und schwöre mir still und leise, dass dies nie wieder passieren wird.

Und wieder einmal ist es für mich bewiesen: nett und höflich zu sein bringt dich verdammt noch mal in dieser Gesellschaft nicht weiter. Sobald du Schwäche zeigst, wittern die Haie dein Blut und du bist ihnen auf Sinn und Verstand ausgeliefert. Einmal im Pool der kleinen Fische dauert es lange bist du wächst und groß genug bist, damit die Raubtiere wieder von dir ablassen. Gut zu sein wird dementsprechend einfach überbewertet. Das hat unser Freund Brecht schon beim guten Menschen von Sezuan versucht mitzuteilen und seine Shen Te wird also zu einem Symbol des normalen Durschnittsmenschen. Man eifert ihr mit Freuden und Erleichterung nach und bastelt sich die Maske in der Überzeugung, dass es nur so funktionieren kann.



Ps: Einfach melden, erkläre mich dazu bereit dich nach einer Party nach Hause zu fahren!

Lalala - ach wie gut....

von N.

Wenn's nicht passt, dann passt's eben nicht, ob Bohemian, Freak oder Frosch.
Ach wie gut das niemand weiss, dass Rumpelstilzchen ... gerne rummachen möchte .
Über ihn herfallen, die Gedanken spielen wild – überlegst' s dir eine Sekunde zu lang und schon ist' s vorbei und als sei nichts gewesen - das Tram kommt.
Du steigst ein und schon sind deine Gedanken beim Frosch:
„Ich muss noch sein Hemd bügeln, für morgen.“
Sehnsüchtig lässt du nach einer Weile deine Gedanken drehen und dreh...
wie ein Karussell, bist Femme Fatale, plötzlich in einem Hotelzimmer, reisst die Kleider vom Leibe und erlebst 100fach was sonst nicht so schnell passiert, oder nicht immer, oder nur in deinen Träumen. Bist immer noch im Tram, schaust verwirrt umher, streichst die Haare glatt und ziehst den Rock über die Knie.
Lachst plötzlich vor dich hin und spürst die Blicke der Männer, als wären sie mit dabei gewesen.
Hahaha!
Heute werden keine Hemden gebügelt .
Ob der Frosch immer noch Zeit hat, die Kugel zu holen, wo immer sie ist?
Oder überlegt er sich' s anders ?
Ach wie gut das niemand weiss .........
Ein Buddha – lächeln.

Freitag, 25. November 2011

Taufrisch

von Leapsus

Da begegnet dir ein Kerl, der hat weder dunkles dichtes Haar, im Gegenteil, es ist schon recht licht und schütter, er ist nicht muskulös, im Gegenteil, da spannt sich bereits ein Bäuchlein unter dem Hemd, er ist langweilig glattrasiert und bestimmt zwanzig Jahre älter als du selber. Er sitzt am Tisch ohne oberflächliche Attribute die deine Libido in astronomischen Höhen explodieren lassen würden – aber er hat was. Während die Vernunft dir scheffelweise einflösst, dass du dich diesem.... niemals um diesen Hals werfen wirst, wirfst du ihm scheele Blicke zu und machst dich ans klammheimliche ergründen, welches 'must have' aus deiner Liste er denn nun genau erfüllt. Sein Blick wirkt desinteressiert, seine Haltung entspannt, in seinen Augen liest du nichts von deinen Wünschen, mit Sicherheit hat er auch nicht auf dich gewartet und du bist dir ziemlich sicher, dass du ihn zuerst ohrfeigen wirst, bevor du ihn küsst. Und du willst ihn küssen. Er hat den Masterplan und eigentlich hast du das schon bemerkt, als du den Raum betreten hast.
Ehe es du dich versiehst, ist die schweisstreibende Jagd eröffnet. Statt dass du dich mit einem Gin Tonic an die Bar stellst und einfach auf einen wartest, der dir Rosenblätter vor die Füsse streut – und sei es nur für eine Nacht, steigst du in den Boxring und schlägst dich über anstrengende 12 Runden mit einem Sackgesicht welches dein Hirn vögelt, bis zum finalen Glockenschlag - da liegst du ermattet in den Armen von diesem...
Am nächsten Tag schleift er dich zum Südpol. Hoffentlich. Denn eigentlich wolltest du schon immer mal Live erleben, wie Seeleoparden Pinguine zerfleischen. Das würden, in deinen Gewässern, die Frösche mit dir anstellen, bevor sie die Glühbirne wieder eindrehen, abwaschen, samt Wäsche, die Schneeketten aufziehen und, mit dir im Kofferraum, ins Gebirge fahren. Treue, trauen, sich trauen?
Die Sicherheit, das Vertrauen, Mut zeigen?
Das Gefängnis, die Handschellen, Angst haben? Ja, nein, Ja?
Wer traut sich was, trau ich mir, trau ich ihm, trau ich gar keinem oder keiner mir, ist das ausgeraubte Schliessfach der Treue unser sozialer Ruin oder riecht der Raub nach Freiheit? Ist die die Trauung mit der Sicherheit noch zeitgemäss - sogar mehr denn je - oder hat ihr das menschliche streben nach individueller Tollwut schäumend den Rang abgelaufen?
Stellt uns die Treue also vor die Wahl, sicher, oder frei zu sein?

Verantworten wir diese Frage im vor – oder beantworten wir sie im nachhinein?
Ein (un)moralisches Weekend!

ps: rebel w/o a cause

Mittwoch, 23. November 2011

Mandelfisch + Rezept zum Träumen

von tau

Selbstgehäkelt machen Mandelfische mehr her. Darum danke für das Rezept. Wenn es gelingt, zu häkeln, lade ich auch gerne ein.
Aber hast du jenes schon versucht? Stell dir mal vor: der Typ da, der an der Bushaltestelle am Wartehäuschen lehnt (du weisst schon: gross, muskulös aber nicht zu sehr, gerade genug O-Beine dass sie sexy wirken, dunkles Haar fällt ihm ins Gesicht, Grübchen am Kinn, perfekter Bartschatten, schwarze Augen, perfektes Lächeln), also wenn der sich jetzt aufrichtet, wenn du auf die Haltestelle zu gehst. Er kommt zu dir, schliesst dich in die Arme, küsst dich, schaut dir TIEF in die Augen und murmelt mit seiner dunklen Stimme: „Auf dich habe ich mein ganzes Leben lang gewartet.“ In seinen Augen siehst du, wovon du dein Leben lang geträumt hast: ewige Liebe, Nerzmäntel, Penthouse, Luxuskarossen, Rucksacktouren zur Antarktis, absolute Treue, unendliche Bewunderung.
Hach ja…
… und jetzt fängts zu denken an:
würde ich ihn zurück küssen und einfach mit ihm abhauen?
würde ich ihn ohrfeigen?
was, wenn der Typ sich als Muttersöhnchen oder, schlimmer noch, als Memme entpuppt (stell dir mal vor, was der abzieht, wenn er die Grippe kriegt…)
oder wenn er abartig, arbeitssüchtig oder hochverschuldet ist?
wäscht er seine Wäsche wohl selber? Kann er Pneus wechseln? Glühbirnen auswechseln? Abwaschen?

Nein, besser keine Experimente. Immerhin hast du schon einen netten Mitbewohner. Mit einem Schlag ist der Frosch daheim das allerbeste, was dir in den letzten sechszweidrittel Jahren passiert ist; der einzige, den du immer küsst, weil er dir den Goldball jedes Mal wieder aus dem Brunnen holt.
Du wirfst dem Typ am Wartehäuschen einen schiefen Blick zu und stolzierst an ihm vorbei zum Billettautomat. Dornröschen ist aus seinem Schlaf erwacht, hat den Prinzen geohrfeigt und ist mit dem Küchenjungen durchgebrannt.
Können Träume Selbstgehäkeltes überflügeln?
Liebe Grüsse

Montag, 21. November 2011

Ein Schatz

von N.

Buch – staben, aneinandergereiht wie Stäbe und hinter tausend Stäben die Welt, die nicht die gleiche, die nicht die seine ist.
Und ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt.
Der weiche Gang geschmeidig, starker Schritte unterbrochen beim Tanz um eine Mitte,
ein Stück Papier vergilbt, gebraucht, tausendmal gelesen, lose dagelegen, griffbereit jederzeit.
Ein Schatz.
Eine Geschichte, mitgelaufen, dazugedacht, getröstet und aufgemuntert ,
sanfte gestimmt mit einer Prise Melancholie zuweilen.
Ein Gedicht, eine Geschichte von Menschen
in den Händen gehalten, auf die Seite gelegt.
Es waren tausende von Bücher überall, Jahre hindurch
und der Panther mitten drin, herausgerissen, in eine Lade gelegt.
Eine Überraschung fand ich.
Vom Sockel gestossen, der Maske entrissen, wurde der Mensch - ein anderer für mich.
Und dies war das Geheimnis
Der Schlüssel des Verstehens, auf einmal.

Mandelfisch:
Zutaten für 1 Stück
1 Prise Treibsalz; o. Backpulver, in
1 Esslöffel Milch; auflösen
240 Gramm Mehl
100 Gramm Zucker
80 Gramm Butter
1 Ei
Füllung:
100 Gramm Zucker
130 Gramm Mandeln gemahlen
50 Gramm Baumnüsse; gemahlen Walnüsse
1 Teelöffel Zitronen Saft
Zitronenschale gerieben
Zimt
1 Ei
Milch


werde gerne eingeladen.

Kein Schwein ruft mich an...

von Leapsus


...und ganz ehrlich, ich freue mich darüber. Die Erkenntnis, dass nie das im Leben passiert, was man sich wünscht, darauf werden wir doch schon in Kindertagen mit harmlos wirkenden Liedern vorbereitet. Oder wer kennt ihn nicht mehr, den Volksklassiker.. Hans im Schneckenloch. Mittlerweile gealtert, mag ich mich nicht mehr mit dem abgeben, was ich nicht habe, was paradox ist, denn natürlich hänge auch ich dem ein oder anderen Traum nach, oder einer Illusion, die sich in meinen Träumen manifestiert hat und die ich, aus Gründen einer undefinierbaren Überzeugung, nicht fahren lassen will. Aber daneben, spielt das Leben und da möchte ich nur Schlange sein, wenn ich mich im Titty Twister um Salma Hayeks Busen wickeln kann. Die ist einfach heiss, nicht?
Also Salma. Nicht die Schlange (Ausser ich schlüpfte in dieses sündige Kostüm). Eine andere Rolle, die ich durchaus zu übernehmen bereit wäre, wäre die Königin aller Königinnen flach zu legen, im wortwörtlichen Sinn. Aber das sind wiederum alte Mandelfische. Ich möchte verflucht sein, wäre ich ein Wechselblüter, der sich den Temperaturen gerade so anpasst, oder ein opportunistisches Chamäleon, welches sich gerade mal so einfärbt, dass es sich in Sicherheit wägen kann - unsichtbares Sein in seiner Umgebung. Andere springen von Klippen, aus Flugzeugen, erklettern Berge, wälzen sich bei Downhill-rennen durch den Dreck, schieben sich einen Blotter in den Mund oder hängen in Hängematten ab, mit einer abartigen Wodka-Orangen-Mischung mit Sonnenschirmchen – oder Pfefferminztee. Ich möchte nicht ewig sein, weder Symbol noch ein Schräubchen im Rad, ich möchte mich nicht einfärben, ich möchte mich nicht in ewiger Sicherheit wägen. Sicherheit als Pseudonym für Trott. Bevor ich aufstehe, arbeite, esse, arbeite, schlafe..(..) möchte ich tun, was ich nie zu tun im Sinn hatte. Häkeln beispielsweise. Klobrillen sammeln. Auf eine Kaffeefahrt gehen und mich von einem türkischen Teppich aus Taiwan überzeugen lassen. Einen Stapel Bücher von Danielle Steel verbrennen, Marshmallows darüber grillieren und das Steueramt mit der Geschäftsidee 'Geräucherter Liebeszucker für ewige Potenz' hinterziehen. Unweigerlich Dinge, die jedem vernunftbegabtem Menschen die Haare zu Berge steigen lassen und da würde ich die Schere ansetzen und den Punk neu definieren. Also an alle die, die mich anrufen sollten, lasst es weiterhin bleiben – denn, entweder rechne ich mit euch, was mich langweilt, oder ich hätte nichts mehr, worüber ich mich aufregen könnte, was auf dasselbe hinausläuft – aalglattes, perfekt nach Zeitplan verlaufendes Leben und da möge mir vorher ein Lüster auf den Kopf fallen.
Im übrigen.. zum klammheimlich verstrichenen Tag der Kinderrechte – wär auch unfreundlich uns Konsumenten gegenüber, wenn man uns daran erinnern würde, dass kleine Krabbelfingerchen in Kupfermienen für unsere Handys scharren, Baumwollblütchen für unsere Hemden sammeln und unsere Turnschuhe zusammennähen - http://www.youtube.com/watch?v=Y7kjsb7iyms

Mit zuckrigen Grüssen!

Samstag, 19. November 2011

Fluch oder Segen

von A.

Heiß, kalt, schwarz, weiß, von dem zu viel, von dem zu wenig. Warum ruft der an, mit dem ich nicht reden will und nicht der, den ich brauche? Warum würde ich nicht reden wollen mit dem, den ich brauche, wenn er doch anrufen würde? Warum will ich ihn anschreien und beleidigen, doch gleichzeitig vor ihm kriechen? Warum denke ich, jemanden zu brauchen, wenn alles vergänglich ist und alles Illusion?
Muskeln gefrieren in eiskaltem Wasser, werden taub und schwer. Tausende Nadelstiche auf der Haut, doch geschärfter sind die Sinne im unvergänglichen Sein des vergänglichen Moments. Nichts ist bedeutend, nur der süße Schmerz der Existenz erinnert an das Leben, das niemals klarer war. Kann es noch kälter sein? Noch klarer? Noch schmerzhafter?
Warum ist es noch nicht genug? Warum nicht zu vergleichen mit dem anderen, dessen Schmerz die Wirklichkeit übertrifft, die Wirklichkeit, in der Ursache und Wirkung klar definiert, fassbar, real sind? Wie kann etwas in mir sein, das nicht ist? Wie kann etwas nicht Existentes etwas Existierendes erzeugen?
Und da soll jemand meinen, es gleiche nicht einer Achterbahnfahrt ohne Gurte, bei der man, wenn man sich nicht fest genug hält, tief fallen und liegenbleiben kann.
Schluss damit. Ich sag dir eines: Eine Schlange möchte ich sein, erstarrt im Augenblick höchsten Seins der greifbaren Welt und immerwährend als Zeichen der Ewigkeit, als Fluch und als Segen.

Kobra?

von Leapsus

Sitze gerade da, mit fingerlosen Handschuhen und zwei Pullovern und in meinem Kopf spielt einer Xylophon auf den Eiszapfen meiner Gedanken. Ja, es klingt wie Gläserklirren. Vielleicht täusche ich mich auch und da hat einer den Tisch umgeworfen. Fingerlose – Hand – Schuhe!
Ooty. Arschkalt da oben. Ich kann mich noch immer nicht an den Gedanken gewöhnen, wie kalt Indien sein kann – im Süden, eingebettet zwischen Bananenstauden und Kokospalmen.
Aber warum nicht. Das Paradoxe erstreckt sich über das Land, sonnend, wie eine ausgerollte Kobra auf der Strasse. Bist du eine Kobra?
Manchmal erwische ich mich, wie ich mich zu Tode erschrecke, ab einem Ast, der einfach so auf der Strasse liegt. Schlangen. Überall sind Schlangen!
Der Intellekt muss Streiche spielen, keine Frage.
Nicht anders ist's zu erklären, dass er gern mit dem Wahnsinn in die Achterbahn sitzt und einem weiss machen will, es sei eine Frage seines Daseins, obwohl die Berg und Talfahrt einem Kamikazekommando ähnelt und vielleicht nichts anderes bedeutet als gut getarnte Lebensmüdigkeit -Nervenkitzel-Adrenalinschub-Dummheit.
Nicht nur ein verschmitzter Lausbub, der Intellekt, sondern auch ein verzweifelter Verrückter.
Eine Mischung zwischen Mandelfisch und Hühnerinnereien. So denn, Guten Appetit!

Dear Friend

von N.

Von Kieselsteinen die Wagen zum entgleisen bringen, halte ich gar nichts.
Nur schon der Gedanke daran, ist so emotionell, dass sich meine 21 Gramm ins nix detonieren könnten . Nein, ich halte es nicht mit der Geschwindigkeit und frage mich wirklich, ob es eine Frage des Intellekts ist, dass sich ein Hirn in eine Berg und Talfahrt katapultiert - wie ein Perpetuum mobile. Das erschreckt mich,
lässt meinen Atem stocken und Angst kriecht von den Füssen bis ganz nach oben.Tentakeln die mein Hirn umklammern und weiterdenken verunmöglichen bis, ja bis na
... so weit kommt es nie, aber könnte .
Eine solche Fahrt, mein Freund, ist nichts für mich. Ich habe lieber einen Orgasmus oder fahre von Mattupaialam nach Ooty, schnackend, Kurve um Kurve der Höhe entgegen in den einstigen Kurort der Engländer. Heute der Inbegriff des abartigsten Tourismus wie es in Indien nicht abartiger sein könnte. Ein Ort in dem man ankommt und gleich weitermöchte, wäre da nicht diese unglaubliche Landschaft die einem fast den Atem raubt.
Was ich noch mehr liebe - wenn ich jetzt einfach so träumen darf – ist, in einer Hängematte zu liegen und den Wellen, die an 'die Felsen schlagen, zuzuhören - zu dösen in der Wärme, mit einem wahnsinns Glücksgefühl im Bauch
Oder mit einer Vespa durch Goa zu tuckern, unter Palmen und Meeresbrisen ins Landesinnere.
Nein, bin nicht harmoniebedürftig, hab auch schon einen vollen Tisch samt Gläser umgeworfen.
Gruss, N.

Der Perfekte Morgen

von Leapsus

Bist du schon einmal früh morgens im Bett gelegen, unter einem Stapel Decken, auf einem perfekt arrangierten Kissen, welches im mindesten nach dem Schweiss deiner erhitzten Träume roch - ein Duft welcher um deine Nase wabert, wie der frisch aufgebrühte Kaffee in der Küche, der gerade Zimmer für Zimmer erobert und The Clash tropften aus den Boxen direkt in dein Ohr?
Die besten Voraussetzungen für einen verspielten Tag oder im mindesten, für einen verdammt guten Tagtraum. Spielen ist jonglieren mit der Wirklichkeit, wie Herr Thole sagt.
Das Spiel tritt in Kraft, steh auf, zieh dich an. Im Kopf brüllt plötzlich Rammstein: Ich hab keine Lust mich anzufassen! Alles wird ein bisschen chaotisch. Der Himmel ist britisch grau. Auf dem Weg nach Nirgendwo steigerst du den Koffeingehalt in deinem Körper und hältst plötzlich einen leeren Plastikbecher in den Händen und befasst dich - auch wenn du ihm die Intelligenz keineswegs absprechen willst - mit der Tatsache, dass er innen hohl ist. Und überhaupt, hast du den Kaffee überhaupt getrunken? - Ich fühl mich nicht mehr auf der Höhe, als vorher. Habe ich den Höhepunkt bereits erreicht? Stagniert er? War es eine Dosis, oder eine Überdosis, gehöre ich zur Bevölkerung oder zur Überbevölkerung, existiert die Matrix oder werden Termiten high, wenn sie Kaffee fressen? Zeitung trinken. Im Kopf blättern. Ich bin schläfrig. - Mittlerweile scheint dir die Sonne ins Gesicht, blendet inmitten eines betonierten Verhörraumes wie die Glühlampe in einem kitschigen Dedektivroman. Und ganz gedämpft, inmitten von Watte..du freust dich!
Keiner in der Nähe, der deine Laune für Stunden versaut, weil er dich mit deinen eigenen Nägeln ans Kreuz kompromittieren will, keiner der fiedelt, bis dir die Ohren bluten, keiner, bei dem du aufmerksamer sein musst, als ein Schnüffelhund am Zoll, um Seelenkriminalität einzudämmen.
Es gibt einfach nichts, worüber du dich ärgern könntest. Und irgendwie wird dir ein bisschen.. langweilig. Spielt Gott jetzt Karten, oder nicht, oder was?! Ist gerade Sendepause im Unterhaltungsprogramm? Was geht? Unfassbares stehenbleiben. Verbale Repeattaste. WAS GEHT?
Nichts. Gehen wir zwischen den Zeilen Botox spritzen. Sorgen wir doch für ein bisschen Aktion, statt darbendes warten, bis die wahrhaft ewige Form des Seins Schicksale gemischt hat.
Statt dahinaltern - schick for sale. Suche Millionär für toxischen Po. Pro proletarisches Hintern wackeln. Schafft Kleinanzeigen ab! Zurück zu Flugblättern und Mundpropaganda! Elfriede ist eine flatulierende Kuh, aber sag' s nicht weiter. Blasen wir alles auf. Blasen bis zum platzen. Tun, nicht nachdenken. Tun. Tun! Und die Tage der Freude rasen so dahin wie eine unkontrollierte U-Bahn-Schlange. Die Geleise schlagen übermütig Feuerwerke und schmelzen unter 1200 km/h zu zähfliessender Honiglava.
Jüdische Frauen prophezeien Unglück, auf die unharmonische Verteilung von Glück.
Wird es ein Kieselstein sein, der die Wagen zum entgleisen bringt?
Es sind meistens Kieselsteine.
Einer, der unter dem gleichen Himmel wie ich lebt, verschenkt sie an Festtagen, macht sie wertvoll, als das, was sie sind. Gewichte für die Waagschalen. Unscheinbare geflügelte Boten. Sie alle heissen Gabriel.
Ich kannte mal einen Gabriel, der war ziemlich gut drauf, wenn er drauf war, was er meistens war, bis er es nicht mehr sein konnte. Augen wie eine Libelle, sensibel wie eine Pupille, ein Geist der durch den Kamin schoss wie die Hexen zum Sabbath. Die Heiterkeit ist auf der Strecke geblieben, er hat sie abgehängt. Kein Kieselstein. Es war überhöhte Geschwindigkeit des Lebens, die ihn aus der Kurve drückte. Zu ungeduldig um die Spielpause abzuwarten.
Was für eine Gefahr. Ich fühle sie in Bruchteilen von Sekunden, dann vergesse ich sie wieder, im unkontrollierten dahinschlingern ohne Verstand. Siehst du eine Bremse, irgendwo? War es nicht gemütlich, als wir auf der Bank sassen, am Ende der Station. Als wir total stoned warteten, auf das nahen der Lichter, die durch die Finsternis schossen?
Vielleicht wären wir besser sitzen geblieben. Hätten weiter pausiert. Wären liegen geblieben, am morgen, im Bett, unter einem Stapel Decken, auf perfekt arrangierten Kissen welche im mindesten nach dem Schweiss unserer erhitzten Träume roch, einem Duft, welcher um unsere Nase waberte, wie der frisch aufgebrühte Kaffee in der Küche, der gerade unsere Wohnung eroberte, während The Clash aus den Boxen, direkt in unsere Ohren tropfte.
Und Gruss