Samstag, 19. November 2011

Der Perfekte Morgen

von Leapsus

Bist du schon einmal früh morgens im Bett gelegen, unter einem Stapel Decken, auf einem perfekt arrangierten Kissen, welches im mindesten nach dem Schweiss deiner erhitzten Träume roch - ein Duft welcher um deine Nase wabert, wie der frisch aufgebrühte Kaffee in der Küche, der gerade Zimmer für Zimmer erobert und The Clash tropften aus den Boxen direkt in dein Ohr?
Die besten Voraussetzungen für einen verspielten Tag oder im mindesten, für einen verdammt guten Tagtraum. Spielen ist jonglieren mit der Wirklichkeit, wie Herr Thole sagt.
Das Spiel tritt in Kraft, steh auf, zieh dich an. Im Kopf brüllt plötzlich Rammstein: Ich hab keine Lust mich anzufassen! Alles wird ein bisschen chaotisch. Der Himmel ist britisch grau. Auf dem Weg nach Nirgendwo steigerst du den Koffeingehalt in deinem Körper und hältst plötzlich einen leeren Plastikbecher in den Händen und befasst dich - auch wenn du ihm die Intelligenz keineswegs absprechen willst - mit der Tatsache, dass er innen hohl ist. Und überhaupt, hast du den Kaffee überhaupt getrunken? - Ich fühl mich nicht mehr auf der Höhe, als vorher. Habe ich den Höhepunkt bereits erreicht? Stagniert er? War es eine Dosis, oder eine Überdosis, gehöre ich zur Bevölkerung oder zur Überbevölkerung, existiert die Matrix oder werden Termiten high, wenn sie Kaffee fressen? Zeitung trinken. Im Kopf blättern. Ich bin schläfrig. - Mittlerweile scheint dir die Sonne ins Gesicht, blendet inmitten eines betonierten Verhörraumes wie die Glühlampe in einem kitschigen Dedektivroman. Und ganz gedämpft, inmitten von Watte..du freust dich!
Keiner in der Nähe, der deine Laune für Stunden versaut, weil er dich mit deinen eigenen Nägeln ans Kreuz kompromittieren will, keiner der fiedelt, bis dir die Ohren bluten, keiner, bei dem du aufmerksamer sein musst, als ein Schnüffelhund am Zoll, um Seelenkriminalität einzudämmen.
Es gibt einfach nichts, worüber du dich ärgern könntest. Und irgendwie wird dir ein bisschen.. langweilig. Spielt Gott jetzt Karten, oder nicht, oder was?! Ist gerade Sendepause im Unterhaltungsprogramm? Was geht? Unfassbares stehenbleiben. Verbale Repeattaste. WAS GEHT?
Nichts. Gehen wir zwischen den Zeilen Botox spritzen. Sorgen wir doch für ein bisschen Aktion, statt darbendes warten, bis die wahrhaft ewige Form des Seins Schicksale gemischt hat.
Statt dahinaltern - schick for sale. Suche Millionär für toxischen Po. Pro proletarisches Hintern wackeln. Schafft Kleinanzeigen ab! Zurück zu Flugblättern und Mundpropaganda! Elfriede ist eine flatulierende Kuh, aber sag' s nicht weiter. Blasen wir alles auf. Blasen bis zum platzen. Tun, nicht nachdenken. Tun. Tun! Und die Tage der Freude rasen so dahin wie eine unkontrollierte U-Bahn-Schlange. Die Geleise schlagen übermütig Feuerwerke und schmelzen unter 1200 km/h zu zähfliessender Honiglava.
Jüdische Frauen prophezeien Unglück, auf die unharmonische Verteilung von Glück.
Wird es ein Kieselstein sein, der die Wagen zum entgleisen bringt?
Es sind meistens Kieselsteine.
Einer, der unter dem gleichen Himmel wie ich lebt, verschenkt sie an Festtagen, macht sie wertvoll, als das, was sie sind. Gewichte für die Waagschalen. Unscheinbare geflügelte Boten. Sie alle heissen Gabriel.
Ich kannte mal einen Gabriel, der war ziemlich gut drauf, wenn er drauf war, was er meistens war, bis er es nicht mehr sein konnte. Augen wie eine Libelle, sensibel wie eine Pupille, ein Geist der durch den Kamin schoss wie die Hexen zum Sabbath. Die Heiterkeit ist auf der Strecke geblieben, er hat sie abgehängt. Kein Kieselstein. Es war überhöhte Geschwindigkeit des Lebens, die ihn aus der Kurve drückte. Zu ungeduldig um die Spielpause abzuwarten.
Was für eine Gefahr. Ich fühle sie in Bruchteilen von Sekunden, dann vergesse ich sie wieder, im unkontrollierten dahinschlingern ohne Verstand. Siehst du eine Bremse, irgendwo? War es nicht gemütlich, als wir auf der Bank sassen, am Ende der Station. Als wir total stoned warteten, auf das nahen der Lichter, die durch die Finsternis schossen?
Vielleicht wären wir besser sitzen geblieben. Hätten weiter pausiert. Wären liegen geblieben, am morgen, im Bett, unter einem Stapel Decken, auf perfekt arrangierten Kissen welche im mindesten nach dem Schweiss unserer erhitzten Träume roch, einem Duft, welcher um unsere Nase waberte, wie der frisch aufgebrühte Kaffee in der Küche, der gerade unsere Wohnung eroberte, während The Clash aus den Boxen, direkt in unsere Ohren tropfte.
Und Gruss

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