Freitag, 25. November 2011

Taufrisch

von Leapsus

Da begegnet dir ein Kerl, der hat weder dunkles dichtes Haar, im Gegenteil, es ist schon recht licht und schütter, er ist nicht muskulös, im Gegenteil, da spannt sich bereits ein Bäuchlein unter dem Hemd, er ist langweilig glattrasiert und bestimmt zwanzig Jahre älter als du selber. Er sitzt am Tisch ohne oberflächliche Attribute die deine Libido in astronomischen Höhen explodieren lassen würden – aber er hat was. Während die Vernunft dir scheffelweise einflösst, dass du dich diesem.... niemals um diesen Hals werfen wirst, wirfst du ihm scheele Blicke zu und machst dich ans klammheimliche ergründen, welches 'must have' aus deiner Liste er denn nun genau erfüllt. Sein Blick wirkt desinteressiert, seine Haltung entspannt, in seinen Augen liest du nichts von deinen Wünschen, mit Sicherheit hat er auch nicht auf dich gewartet und du bist dir ziemlich sicher, dass du ihn zuerst ohrfeigen wirst, bevor du ihn küsst. Und du willst ihn küssen. Er hat den Masterplan und eigentlich hast du das schon bemerkt, als du den Raum betreten hast.
Ehe es du dich versiehst, ist die schweisstreibende Jagd eröffnet. Statt dass du dich mit einem Gin Tonic an die Bar stellst und einfach auf einen wartest, der dir Rosenblätter vor die Füsse streut – und sei es nur für eine Nacht, steigst du in den Boxring und schlägst dich über anstrengende 12 Runden mit einem Sackgesicht welches dein Hirn vögelt, bis zum finalen Glockenschlag - da liegst du ermattet in den Armen von diesem...
Am nächsten Tag schleift er dich zum Südpol. Hoffentlich. Denn eigentlich wolltest du schon immer mal Live erleben, wie Seeleoparden Pinguine zerfleischen. Das würden, in deinen Gewässern, die Frösche mit dir anstellen, bevor sie die Glühbirne wieder eindrehen, abwaschen, samt Wäsche, die Schneeketten aufziehen und, mit dir im Kofferraum, ins Gebirge fahren. Treue, trauen, sich trauen?
Die Sicherheit, das Vertrauen, Mut zeigen?
Das Gefängnis, die Handschellen, Angst haben? Ja, nein, Ja?
Wer traut sich was, trau ich mir, trau ich ihm, trau ich gar keinem oder keiner mir, ist das ausgeraubte Schliessfach der Treue unser sozialer Ruin oder riecht der Raub nach Freiheit? Ist die die Trauung mit der Sicherheit noch zeitgemäss - sogar mehr denn je - oder hat ihr das menschliche streben nach individueller Tollwut schäumend den Rang abgelaufen?
Stellt uns die Treue also vor die Wahl, sicher, oder frei zu sein?

Verantworten wir diese Frage im vor – oder beantworten wir sie im nachhinein?
Ein (un)moralisches Weekend!

ps: rebel w/o a cause

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